DIALOG

 

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dittler01 ‘It isn’t about myself at all, really’

This story begins way back, with our 15-year old selves sitting across from each other at a work table and Petra blending colors in her school kit, demonstrating how to mix a skin tone - not too pink, not too chalky, not too grey, just right.

Little did I know that my childhood memory would be prophetic. In the nearly twenty years that Petra Amtsberg-Hoffmann has been a member of the professional art community,

color perfectionism, honed to great finesse,has been a defining characteristic of her work.

Amtsberg-Hoffmann explains: “…[W]hen I started the ‘beetles sequence’ (Coleoptera Series) I looked at my yellow color pots. They were all wrong. I needed a yellow that worked well in thin lines, a color that I could heap and structure. I suddenly remembered this little tube of Sennelier’s yellow that I had stashed away somewhere. I used it straight out of the tube for the antennae and legs. See the pile-up where I squeezed out more?”

She continues: “I always need splash colors. There will be a firecracker in the palette. They capture craziness. Milky Yellow is recurrent. Orangey translucent Amber is in high demand right now. I like the greyish lilac of Caput Mortuum. Other colors I need to stabilize and mellow out: sandy shades, concrete or other mixed greys. Dark hues I prefer to mix myself.”

Her choice of colors, though seemingly nonchalant and swift in its application, is complex and exacting, and belies a rigorous process of selection and artful blending, often from scratch, using pigments.

There is a riotous feistiness in Amtsberg-Hoffmann’s work, a testament to an experiencing mind, an agile curiosity and perceptiveness, that refuses to become jaded, that rejects everything mechanistic and restrictive. Her art is ambiguously abstract, yet clear in its statement of vivid commentary on inner processes.

“It isn’t about myself at all, really,” she says. “Of course, there is this idea or that memory that wants out when I start a painting. Then my canvas splits from myself and starts telling its own stories. These are apart from mine, yet still mine.

“This is when I need to step back, listen in and work with a very light hand. The painting will tell me what it needs. Sometimes I need to stop and set it aside for a long time. Sometimes I need to take drastic action like continuing upside down. At times I can proceed really quickly and everything is very clear. Sometimes I need to take it slowly, especially when working with oils, which I favor lately. Surprises me every time.”

Her abstract compositions of layered, intense, color planes and powerful linear movements are open to figurative or spatial interpretation. Her more figurative drawings invite to relish in colors and the details of her brushwork’s sensuality.

Amtsberg-Hoffman’s art is deeply personal. It happily transgresses boundaries into olfaction, sound, dance and taste, and aims directly at the viewers’ senses.

Her synesthetic approach is mirrored in her playful and suggestive picture titles, which are often poetic clues to deeper, more private, levels of meaning.

With its startling immediacy and its lucid style, her art stays memorable across an evolution of painting techniques, formats and color preferences.

Petra Amtsberg-Hoffmann’s works are the imprint of a deeply felt energy and dynamism, and an expression of pure joie de vivre.

 

Andrea Schaffner Dittler
M.A., Kunsthistoriker


Bewertung: 5 / 5

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cornelia von detten

VON DR. CORNELIA VON DETTEN 
Kunsthistorikerin
 

PETRA AMTSBERG HOFFMANN

Seit 2003 verfolgt Petra Amtsberg-­
Hoffmann konsequent ihre malerische Laufbahn und präsentiert ihre Arbeiten in regelmäßigen Ausstellungen in der Öffentlichkeit. Besonders inspirierend war ihr Sommersemester an der Salzburger Akademie bei dem Maler Norbert Bisky 2014, der sie zu großformatigen, farbintensiven und experimentellen Arbeiten motivierte. In der Orangerie tritt Petra Amtsberg-­Hoffmann heute mit einem neuen Werkzyklus auf. Kontrastreiche Bilder, die vor allem durch ihre räumliche Wirkung bestechen, sind entstanden. Eine Rückbesinnung auf die beruflichen Wurzeln der Künstlerin erklärt in diesem Zusammenhang ihren ausgeprägten Sinn für räumliche Gestaltung, der in den neu komponierten Bildwerken klar ablesbar ist. Petra Amtsberg-­ Hoffmann studierte 1982-­1986 Innenarchitektur in Rosenheim.

 

Um sich der Lesbarkeit ihrer Bilder zu nähern, ist es wichtig sich mit Ihrer Arbeitsmethode zu befassen. Den Beginn einer neuen Arbeitsperiode leitet die Künstlerin meist mit zahlreichen kleinen Aquarell-­, Bleistift-­ oder Tuschestudien (Din 3 und kleinere Formate) ein. Mit schnellen Pinselstrichen werden räumliche Situationen im Straßencafé oder im häuslichen Ambiente festgehalten, Landschaftsausschnitte farblich fixiert, Insekten spielerisch nachgezeichnet oder ein malerischer Gestus wird lustvoll mehrfach auf Papier fixiert und phantasievoll variiert. Ein Arbeitsprozess, der eine hohe Konzentration auf das Malen an sich birgt, wird hier eingeleitet. Die Hand, die malt, frei von Inhalten, ist locker und absichtslos. In einem weiteren Arbeitsschritt werde die zahlreich entstandenen Studien am Arbeitsplatz ausgebreitet. Dienten die Aquarelle undZeichnungen zunächst als Mittel der Konzentration und der Befreiung, so sind sie jetzt Studien derInspiration, aus denen die Künstlerin sich notwendige Details entnimmt, die sie in ihrengroßformatigen Arbeiten einbaut.

 

Zu Beginn legt sie den mit grundierter Leinwand bezogenen Keilrahmen meist auf den Boden ihres Ateliers und bearbeitet die Malfläche mit großen Pinseln. Manchmal wird der Pinsel an einem Stock befestigt, damit die Malerin mit einer großen ausholenden Bewegung, nicht nur der Hand, sondern des ganzen Körpers, ihre farbigen Spuren auf der Malfläche hinterlassen kann. Das ist ein sehr dynamischer Akt, ohne Festlegung einer Richtung oder der Bestimmung von Oben und Unten. Enthusiastisch und energiegeladen bearbeitet die Künstlerin das Bild von allen Seiten, sie dreht und wendet es. Erscheint es notwendig, richtet sie ihr Bild senkrecht auf. Die flüssige Farbe wird dann in ihrer Substanz erkennbar, denn sie läuft in langen Rinnsalen die Leinwand hinunter. Manchmal spritzt sie die flüssige Farbe des triefenden Pinsels auch schlicht und ergreifend auf die Leinwand. Zu guter Letzt wird die entstandene Malfläche aus Pinselspuren und Farbflecken bei Seite gestellt um zu trocknen. Da Petra Amtsberg- Hoffmann schnell trocknende Acrylfarbe verwendet, ist das ein zügiger Prozess. In weiteren Arbeitsschritten wird die Leinwand wieder hervorgeholt, manchmal mit Ol-- und Pastellkreiden bearbeitet, mit Farben unterschiedlicher Dichte übermalt, Details herausgearbeitet und neue Formen entwickelt.

 

Vor diesem Hintergrund betrachten wir nun eines ihrer jüngsten Werke, das quadratische Bild mit dem amüsanten Titel „Mrs Smellgood“ (Acryl auf Leinwand, 140cm x 140cm), der vermutlich eine Anspielung auf die Tatsache ist, dass Farben auch den Geschmacksnerv und Geruchssinn ansprechen.

„Mrs Smellgood“ stammt aus dem neuen Werkzyklus, in welchem Petra Amtsberg--Hoffmann sich auf die räumliche Qualität von Farbe konzentriert. Die neue Anordnung auf ihrem Bild erinnert an Kompositionsstrategien eines Francis Bacon. Die Künstlerin stellt Farbflächen mit impulsiv aufgetragener Farbe, deren Pinselverlauf ablesbar ist, neben ruhende Farbflächen ohne jegliche Pinselspur oder Pinselduktus. Hierbei entsteht eine existenzielle Ambivalenz zwischen vibrierender Expressivität und einer Leere, die Konzentration und Kontemplation birgt. Verstärkt wird diese Wirkung durch die Gegenüberstellung blickdichter, pigmentreicher aufgetragener Malflächen und transparenter flüssiger Malflächen. Hier scheint die Künstlerin stellenweise Farbkörper und Farbräume evozieren zu wollen. Erkennbar ist eine Affinität zu den Werken von Marc Rothko, dessen Bilder in der Regel den Charakter einer großen Stille haben, durch den sie den Betrachter veranlassen, sich in sie zu versenken. Sie veranlassen ihn zu einem meditativen Verhalten, für das sie zur Resonanzfläche werden. Auch in den Bildern von Petra Amtsberg--Hoffmann finden sich Farbflächen mit räumlicher und spiritueller Bedeutungsschwere.

Weiterhin wird das Bild „Mrs Smellgood“ charakterisiert durch lebendige leuchtende Farben, die die Künstlerin auf ihrer Palette bevorzugt. Kontrastreich stehen helle Pastelltöne, weiße Malflächen, leuchtendes Gelb, Rot und Grün neben der erdig roten, fast monochromen Farbfläche. An einzelnen Stellen entsteht der Eindruck als wären, wie bei einer Collage, bemalte Leinwandstücke aufgeklebt worden.

 

Neben farbigen Flecken und Farbverläufen finden sich auch kalligraphische Kritzeleien und Spuren auf der Leinwand. Kreisförmige Linienverläufe mit weißer Öllkreide verdichten sich in der Mitte des Bildes, lineare Kratzspuren sind an der unteren Seite der Leinwand zu erkennen Die Linie ist hier selten Umrisslinie, nein, sie ist Träger von Energie, sie ist schwungvoll dynamisch, manchmal ist sie hektisch aggressiv, manchmal lustvoll rhythmisch. Auf dem Bild mit Namen „Scuba“ (Acryl auf Leinwand, 140cm x 140cm) trifft man beispielsweise eine Anhäufung von Punkten, kleinen Kreisen und Linienschwüngen, Kreuzen und mageren Strichen, die engmaschig nebeneinandergesetzt sind. Hier ist die Grammatik der zeichnerischen Vorgehensweise eines Cy Tomblys ablesbar.

Auf manchen ihrer älteren Bilder bewegen sich erkennbare Details wie Gesichtszüge, Tierkörper oder Gegenstände durch Übermalungen und Überlappungen mit weiteren Farbfeldern an der Grenze zwischen Abstraktion und Figuration. Dieses Spiel zwischen Abstraktion und Figuration treibt sie in ihren neuesten Bild “A little bit of feelgood” (Acryl auf Leinwand, 100cm x 100cm) auf die Spitze. Auf den ersten Blick meint der Betrachter ein Stillleben mit räumlicher Dimension vor sich zu haben. Er sieht einen Tisch auf dem eine Blumenvase links steht, weitere Krüge und Gefäße auf weißer Tischdecke sind erkennbar. Doch der fokussierte Blick zeigt, dass hier souverän lineare Elemente neben flächigen malerischen Elementen stehen, die bedeutungsfrei sind und keinen Gegenstand beschreiben. Petra Amtsberg--Hoffmann führt vor, was reine Malerei leisten kann und spielt mit der Illusion. Das Expressive ist in diesem ausgewogenen Bild gewichen, das spontane eingemündet in die Rhythmik freier Formen.

 

Dr. Cornelia von Detten

(Kunsthistorikerin)

 

 

Dr. Cornelia von Detten
Kunsthistorikerin 


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MUNICH ARTISTS ÜBER DIE AUSSTELLUNG "WHAT I AM LOOKING FOR!" UND DIE GALERIE FREIRAUM16


what I am looking for5

VON MUNICH ARTISTS
München


ARTIKEL VON MUNICH ARTISTS:
https://munichartists.com/2016/10/11/artsy-place-galerie-freiraum-16-giesing/


Last week, Petra Amtsberg Hoffmann opened her current exhibition at Galerie Freiraum 16 in Giesing. I promised Petra I would go to her vernissage and at 1830 on Thursday I drove over to Giesing. I parked my car and walked a few blocks to the gallery. It was empty. Looking at my phone, I realised that Petra’s vernissage was the day before and I was on time but a day late.

Luckily for Munich Artists, the gallerist at Freiraum16was at the gallery and welcomed me into her space with a smile and a look of amusement.

Galerie Freiraum 16

Angelika Baumgartner is the gallerist at Oefelestr. 13a in Munich, Germany.  For many years, Angelika used the large space as a design studio but this year, she decided to make a life change which included clearing out her old office and dividing the space into a cosy office and a good sized art gallery.

As an interior designer, making this change was easy for Angelika. Her current office is nestled in a room near the entrance leaving most of the space open for displaying artwork.

As you are well aware from Munich Artists Window installations, we love large windows and Gallery Freiraum 16 has two of them that look out into the neighbourhood. Think of all the possibilities!

Over the last few years, we have visited some areas of Giesing but this was my first time venturing into a residential section for Munich Artists.  In prior posts, I visited HNRX at the graffiti walls, I’ve been to Candidplatz for the murals under the overpass and I visited Petra Beeking‘s open studio.

What surprised me the most about this area of Giesing was how friendly everyone was to everyone else.  Maybe it was the weather or some kind of Giesing magic but I enjoyed experiencing it.  As I walked to the gallery from my car, I saw people standing at each other’s windows talking and waving as people walked by their apartments.  My tiny area of Sendling is waving friendly and I was pleasantly surprised to see that this area of Giesing also welcomed people with open windows and smiling faces.

Petra Amtsberg Hoffman

Petra Amtsberg Hoffmann’s artwork currently covers the walls at Galerie Freiraum 16.  If you don’t remember Petra, she participated in our 500 Artists Say Hello and, has a large property on the East side of town that she is developing into an artsy space called Studio Riemerling. We love Petra’s work  but her artsy space is kind of too far away for a regular visit so Munich Artists was happy to see Petra’s work over the river and under the bridge from Sendling (Where we hang out most of the time.)

After a nice chat about Petra’s artwork,  I asked Angelika what she hoped to create with her new gallery.

Angelika said she wanted to showcase emerging artists and have events that brought artists together.  Munich Artists loved hearing this and we agreed with Angelika that Munich Artists will bring a few projects to Galerie Freiraum 16 in 2017.

We are very excited to have this opportunity and will keep you posted on Facebook and on the website as things develop.

Although Angelika is an experienced interior designer, she is still finding her groove as a gallerist and will give a shoutout if/when Galerie Freiraum 16  is looking for artists to exhibit. (Please do not take your portfolios over there no matter how good they are.)





Bewertung: 5 / 5

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JEDER QUADRATMETER GEHÖRT DER KUNST - RIEMERLING STUDIOS: PETRA AMTSBERG HOFFMANN HAT EINE KOLONIE GESCHAFFEN, IN DER DIE KREATIVITÄT LEBT


muenchne merkur ber riemerling studios

VON MARC OLIVER SCHREIB
Münchner Merkur
München

 

Nach der  Ausstellung "Open Studios 2017 " Beitrag des Münchner Merkurs zu den Riemerling Studios.

Ein Bericht von Mark Schreib.

Hohenbrunn – Als ein Ort der stillen Einkehr ist das Tagungszentrum der Diakonie in Hohenbrunn entworfen worden. Vor vielen Jahren verlor die Exklave am Waldrand neben dem Lore-Malsch-Haus ihre religiöse Bestimmung und fiel in einen Dornröschenschlaf, bevor sie Petra Amtsberg-Hoffmann mit farbexplosiven Kompositionen im Großformat mit neuem Leben füllte. Die Künstlerin aus Gräfelfing hat das Anwesen mit Kapelle vor drei Jahren gekauft und sich hier den Traum einer Künstlerkolonie mit derzeit acht Ateliers und Übungsräumen erschaffen. Das Gebäude mit dem Charme einer Pfarrei aus den 1960er-Jahren hat sich rein äußerlich kaum verändert, das Innenleben jedoch schon. Die erste Zeit nach dem Einzug diente dazu, die drei Stockwerke der Riemerling Studios von Spinnweben zu befreien und langsam und allmählich zu verwandeln. In den Gängen und ihren langen, schmalen Fluchten hat das Auge genug Ruhe, um von Bild zu Bild zu springen und vor einem unauffälligen Hintergrund in Ziegel oder kalkweißen, bisweilen unverputzten Wänden innezuhalten. Nichts und niemand stört hier bei der Betrachtung. Zu den Kreativen in den Riemerling Studios zählen Richard Deichl, Tom Eicher, Eva Kiss, Katja Ling-Zeggio und Geo Vidal. Jeder hat seinen privaten Bereich, aus dem heraus sich die künstlerische Schaffenskraft frei entfalten kann. Petra Amtsberg-Hoffmann studierte Architektur, die beruflichen Stärken kann sie für die Malerei nutzen, und beides lässt sich geschickt miteinander verbinden. Aus der figurativen Zeichnung entsteht die Grundlage, der Plan für ein ausformuliertes Gemälde, aber es darf nie ein abgeschlossen er, sich wiederholender Prozess sein. Die künstlerische Neugier findet bei Amtsberg-Hoffmann immer neue Anläufe. Bei der internationalen Sommerakademie in Salzburg hat sie sich von Norbert Bisky, einem großen Vertreter des Neuen Realismus der Postmoderne, stark beeinflussen lassen. Sie befolgte seinen Rat, ihren Ausdruck in großen Formaten auf Leinwand zu suchen. Kein Widerspruch zu dieser Arbeitsweise sind kleine instinktsicher geführte Skizzen und Porträtminiaturen, die sie aus dem Gedächtnis zaubert. Daraus werden auch große Kompositionen entwickelt, die durch mehrere abstrakte Schichtungen in Acryl zu einer neue Aussage gelangen. Während des Malprozesses helfen ungewöhnliche Blickwinkel. Da wird die Leinwand auf den Kopf gestellt, um keine Routine zuzulassen. Das Ergebnis ist bisweilen ein paar Quadratmeter

groß. Und die weißen Auslassungen im Farbraum stellen einen Bezug zur ursprünglichen Skizze her. Nichts ist zufällig gewählt, alles darf umgedeutet werden. Und dafür ist in dem ehemaligen Tagungszentrum mehr als genug Platz. Es scheint ein einziger großer Ausstellungsraum zu sein - durch Türen unterbrochen, hinter denen sich der Ideenreichtum auf Staffeleien, zwischen Schraubstöcken auf Werkbänken und in Bastelecken austobt. Die Ateliers dienen als Rückzugsräume, zwei Bands im Untergeschoss brauchen hinter den schallisolierten Wänden keine Rücksicht auf empfindliche Ohren zu nehmen.

Wer in München am Max-Weber-Platz zur „Unterfahrt“ pilgert, kann sich den Charme unverputzter Wände, Neonröhren und Wärmeleitungen gut vorstellen, der im Keller vorherrscht, während im Atrium im Sommer gegrillt und zwanglos über Kunstphilosophiert wird. Dass im Garten die Gruppen des Waldkindergartens toben, stört nicht. Als Familienmutter ist Petra Amtsberg-Hoffmann dankbar für eine Geräusch Kulisse von außen, die sie viele Jahre gewohnt war. Der künstlerischen Inspiration hat es nicht geschadet.

 

 

Marc Oliver Schreib
Münchner Merkur
München


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"DER WILDE ZUGRIFF"


Stephanie Gilles

VON STEPHANIE GILLES M. A.
Kulturvermittlung
Landshut - München

 

Mit der Internationalen Sommerakademie Salzburg gründete Oskar Kokoschka 1953 eine bis heute beispielgebende „Schule des Sehens“. Zahlreiche namhafte Künstler von Markus Lüpertz über Jörg Immendorf, Daniel Spoerri, Guenther Uecker und Ai Weiwei unterrichteten und förderten seither dort Künstler und Studenten aus aller Welt.

In den Jahren 2013 und 2014 übernahm mit Norbert Bisky – selbst einst Schüler der Sommerakademie- einer der renommiertesten Vertreter der zeitgenössischen Malerei in Deutschland jeweils einen Sommerkurs. Als Petra Amtsberg Hoffmann davon hörte, bewarb sie sich erfolgreich um einen der begehrten Plätze.

Der Kurs sollte zur Initialzündung für eine neue Phase im Schaffen der gebürtigen Münchnerin werden: Die herausfordernde und unmittelbare Auseinandersetzung mit der künstlerischen Arbeit Biskys, vor allem seinen Gesichtern und der in ihrer intensiven zentrifugalen Kraft an ein Agglomerat von Splash Panels erinnernden Malweise mündet in einen neuen Ansatz großformatigen Arbeitens, der die Gründung der Riemerling Studios mit ihren geräumigen Atelierflächen nach sich zieht.

Auf das großformatige, farbintensive experimentelle Malen in Salzburg folgt im heimischen Atelier der Drang nach ordnender Fokussierung. In Rückbesinnung auf ihre beruflichen Wurzeln in der Architektur wechselt Amtsberg zunächst vom flächigen Großformat zur figurativen Zeichnung, von der vielschichtigen Malerei zur Linie und von der überbordenden Farbigkeit zur dunklen Umrißlinie. Es entstehen, aus der Erinnerung gespeist, zahllose Köpfe und Porträtdarstellungen. Sie werden in schnellem Strich mit Edding, Acryl, Tusche und auch Wasserfarbe aufs kleinformatige Papier gebracht oder auch als Lithografie in Szene gesetzt. Auf diese, von der Künstlerin als Ruhephasen des Sich- Sammelns begriffenen Zeiträume, in denen neue Gedanken Raum finden und sich entwickeln können, folgen seither stets Phasen des dynamischen, ja geradezu explosiven Arbeitens auf immer größer werdendem Malgrund. Inspiriert und ermutigt durch Norbert Bisky, überträgt Amtsberg die in unzähligen Variationen erprobten Porträts in großformatige Leinwandarbeiten. Eine satte Buntheit ergießt sich über den Malgrund. Amtsberg experimentiert mit den Möglichkeiten von Form,- und Farbgebung, setzt Akzente und gelangt so zu einer zwischen Abstraktion und Figuration changierenden Bildaussage. Erst auf den zweiten Blick erfasst der Betrachter das eigentliche Sujet des Bildes. Doch das ist durchaus gewollt. Amtsberg intendiert ein Spannungsfeld, dass es dem Rezipienten ermöglicht, „immer wieder etwas Neues zu entdecken..etwas Verstecktes nicht gleich Offensichtliches.“ Sie spielt mit Wahrnehmungsprozessen und scheint der Absicht Peter Doigs zu folgen, den interessiert, „was uns entgeht, wenn wir uns auf das konzentrieren, was unmittelbar ins Auge springt“. Acrylfarbe ist ihr bevorzugtes, weil schnelltrocknendes Malmittel. Die Künstlerin entwickelt in ihren Werken eine Form der Rhythmisierung, die an die Herangehensweise von Cecily Brown erinnert. Deren Credo des „I am looking slowly so that I can paint quickly“ findet sich auch bei Amtsberg. Einmal begonnen, wird der Malprozess schnell vorangetrieben, Schicht um Schicht wird übereinandergelegt, eine Bildstruktur entsteht. An diesem Punkt im Schaffensprozeß angelangt, geht die Künstlerin auf Distanz zu ihren Arbeiten, stellt Bilder eine zeitlang zur Seite, dreht sie oft sogar und prüft so deren Aussagekraft, bevor sie in additiven wie subtraktiven Prozessen ihre Bilder „aufräumt“, wie sie es liebevoll nennt. Da werden Überlagerungen wieder freigelegt, andere Teile des Bildes übermalt oder mit der ordnenden Hand der Architektin durch kraftvolle Strichsetzungen und Liniengeflechte neu strukturiert. Wahre Farbexplosionen überziehen nun das Bild und oszillieren zwischen gestischer Malerei, Abstraktion und

Gegenständlichkeit. Weiß gebliebene Auslassungen offenbaren Einblicke in ein Darunter, unterbrechen aber nicht die Dynamik des Bildausdrucks, sondern steigern ihn durch die entstehende Bipolarität. Es ist das Wechselspiel von ausufernder Dynamik, ja Ruhelosigkeit und des wieder Einfangens und Einbettens des Malaktes in ein geordnetes, ruhiges Fahrwasser ,das die Bilder von Petra Amtsberg so besonders macht. Ihre Malerei entwickelt zentrifugale Kräfte, strebt auseinander und wird von ihr behutsam wieder eingehegt.

Energiegeladen und gelassen, vielfältig und strukturiert, ruhevoll und leidenschaftlich, nachdenklich und immer offen für Neues: Das von Schelling als Begriffspaar definierte apollinisch- dionysische Prinzip ist der Künstlerin Petra Amtsberg wesenhaft eingeschrieben. Nach ihren künstlerischen Inspirationsquellen befragt, führt Amtsberg folgerichtig ausnahmslos Künstler an, die in ihren Werken auf unterschiedlichste Weise die Polarität der Dinge zum Thema haben.

Neben Norbert Bisky und Peter Doig nennt sie in atemloser Folge Cecily Brown und ihren malerischen Duktus, Egon Schiele und seinen jede Seinsmodalität erfassenden Strich, Maria Lassnigs Menschen, Henri Matisses schwebend gestaltende Leichtigkeit, Jean- Michel Basquiats wilden Zugriff und Marc Rothkos „Multiforms“ mit ihren sich bewegenden, übertönenden und stossenden Farbüberlagerungen. Sie experimentiert mit dem, was sie als Erkenntnisgewinn aus den künstlerischen Arbeiten der Moderne und Jetztzeit zieht. Das Ergebnis dieses in sehr freie und eigenständige Arbeiten mündenden Gestaltungswillens offenbart sich dem Betrachter in diesem Katalog als Feuerwerk der Farben, Formen und bildhaften Assoziationen oder wie Norbert Bisky formuliert: „Mit Ruhe und sicherem Instinkt findet Amtsberg zu kraftvollen Kompositionen….Ihre energiegeladenen Bilder…beherrschen den Balanceakt von Farben und Formen auf beeindruckende Weise.“

 

Stephanie Gilles M.A. arbeitet als Kunst,- und Kulturvermittlerin in Landshut und München. Ihre Kooperationspartner sind unter anderem die Neue Galerie Landshut,Museen der Stadt Landshut und das Bayerische Nationalmuseum.

Die Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in folgenden Bereichen: Aktuelle Kunst, Keramik und die Kunstkammern des 16. und 17. Jahrhunderts.
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Stephanie Gilles M.A.
Kulturvermittlung
Landshut- München


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Petra Amtsberg Hoffmann

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